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Zeitzeugenbesuch an der Sekundarschule Olpe-Drolshagen

Am 20.1.2020 besuchte uns die Zeitzeugin Michaela Vidlakova und erzählte uns mitreißend ihre Geschichte und ihre Erlebnisse aus der NS-Zeit.

Die mittlerweile 84-Jährige wurde als Kind in das Ghetto /KZ Theresienstadt verschleppt. Sie erzählte uns von den Anfängen des Nationalsozialismus und von den Anfängen der Besetzung Tschechiens durch die Deutschen. Dabei berichtete sie zum Beispiel, dass frühere Freunde plötzlich nicht mehr mit ihr spielen wollten und durften. Die jüdischen Kinder mussten die Schulen verlassen. Ihre Eltern und viele jüdische Menschen verloren ihre Jobs. Wohnungen und Eigentum wurden ihnen weggenommen. Das Leid und die Ungewissheit der jüdischen Menschen konnten wir gut nachempfinden.

Über ihre Zeit im KZ bemerkte sie mehrmals, dass sie Glück hatte. Unvorstellbar für uns. Glück zu haben, dass sie im KZ Theresienstadt untergebracht wurde. Zusammen mit ihren Eltern. Glück zu haben, dass sie ein Holzspielzeug als einzige persönliche Habseligkeit mitnahm. Denn dieses Holzspielzeug hat ihr Vater für sie geschnitzt und konnte dadurch vor den Nazis behaupten Handwerker zu sein. Dadurch wurde er besser behandelt und die Familie durfte gemeinsam dortbleiben. Während viele in Vernichtungslager weitergeschickt wurden.

Sie erzählte uns, dass sie schwer erkrankte und auf die Kinderkrankenstation verlegt wurde. Dort lernte sie auch einen deutschen Waisenjungen kennen, der ihr verloren schien, weswegen sie sich mit ihm anfreundete und dabei Deutsch lernte.

In der anschließenden Fragerunde beschäftigte uns vor allem die Frage nach der Menschlichkeit. Kann man überhaupt noch Mensch sein in einem KZ?

Ihre Antwort war ein klares JA! Auch wenn dort Hunger und Elend herrschten, wie in allen KZs, so erinnerte sie sich an besondere Momente, wie das Spielen mit den anderen jüdischen Kindern oder das Versteckspiel mit den Ärzten. Bei uns bleibt noch lange die Szene der älteren Menschen mit Hunger und den großen Augen in Erinnerung, mit denen sie ihr spärliches Essen gerne und bereitwillig geteilt hat.

Zum Schluss mahnte Frau Vidlakova uns eindringlich darauf zu achten, dass so etwas nie wieder passieren kann und dass die die Geschehnisse und Menschen nicht in Vergessenheit geraten.  

Die AG „Schule ohne Rassismus- Schule mit Courage“ aus Jahrgang 9.